Bergtouren im Matscher Tal, 19.08. - 23.08.2021

Klicken, um Galerie zu öffnen

Nach einer 390 km langen Fahrt bis ans Ende des Matscher Tals im Vinschgau waren wir am Ziel – und ergatterten am Glieshof (1824 m) mit etwas Geduld und Glück 3 Parkplätze, die auf drei Ebenen verteilt waren. Bei schönem Wetter starteten wir – 10 Frauen und 2 Männer – zügig ansteigend in Richtung Portlesspitz. In der Plazur, vorbei an weidenden Pferden und Kühen, bogen wir rechts ab und stiegen anschließend steil hinauf zu unserem heutigen höchsten Punkt (2180 m). Von da ging es wieder abwärts zu unserem Ziel, der Matscher Alm (2045 m), wo wir die nächsten 4 Nächte verbracht haben. Fridolin, unser Wirt, zeigte uns die gemütlichen, modern ausgebauten Lager, die über eine Außentreppe erreichbar waren und über dem Wirtschaftsgebäude lagen. Eine kurze Einweisung und der Hinweis, dass morgens ab fünf Uhr die Kühe im angrenzenden Stall mit Musik gemolken werden, dann suchte sich jeder ein ihm genehmes Schlafplätzchen im Lager.
Aufstieg 370 m, Abstieg 120 m, 4,5 km

Am nächsten Morgen starteten wir um 8:00 Uhr nach einem reichhaltigen Frühstück zu unserer ersten „richtigen“ Tour – gleichzeitig marschierten auch die Kühe ein Stück mit uns auf ihre Weide. Zunächst ging es etwas abwärts über eine Brücke des Saldurbachs (2010 m), dann stiegen wir durch lichten Wald recht steil in kurzen Serpentinen hinauf zu den Saldurseen. An den höchst gelegenen Bergseen Südtirols machten wir Rast und genossen einen fantastischen Blick auf die umliegenden Berge. Schnell wird uns dann aber auch klar, dass wir die eingeplanten Berggipfel – die Lackenspitz und den Spizat – nicht besteigen werden: zu schuttig war das Gestein und ein gekennzeichneter Weg war ebenfalls nicht vorhanden. Also stiegen wir entlang weiterer Seen hinauf zum höchsten Punkt, dem Joch „Tabernakel“ (3020 m). Von hier oben war die Weißkugel in voller Pracht zu sehen – dieser Anstieg hatte sich gelohnt. Beim steilen Abstieg über Geröll und Felsstufen hinab mit Blick auf unser Ziel, die Oberetteshütte (2677 m), musste dann aber so manche die Zähne fest zusammenbeißen. Aber, auch das haben wir geschafft – wenn auch die Kiefermuskulatur im Anschluss dann doch etwas verkrampft war. Nach einer Pause in der Hütte stiegen wir wieder hinab zum Saldurbach, weiter entlang des Tals bis zur Inneren Matscher Alm und dann ein paar Meter hinauf zu „unserer Alm“. Zur selben Zeit kamen auch die Kühe wieder von der Weide zurück, um wiederum bei Musik gemolken zu werden. Wir ließen den Nachmittag auf der Sonnenterrasse ausklingen, bevor wir am Abend wieder mit einem leckeren Abendessen verwöhnt wurden.
Aufstieg 1050 m, Abstieg 1060 m, 12,8 km

Nach einer typischen Hüttennacht (mit mehreren Schnarchquellen) starteten wir wieder um 8:00 Uhr zur Pleresspitze (3188 m). Durch den Zirbenwald sehr steil ansteigend, zunächst im Schatten, vorbei an Yaks, Schafen, Ziegen, Kühen und Murmeltieren (Pfeifhasen) – immer die Ortlergruppe im Rücken, in der Ferne. Auf einem wenig ausgeprägten Rücken ging es dann über mehrere Geländestufen durch Mulden und über Kuppen durch das Planoalerloch – die Waden wurden am letzten, sehr steilen Anstieg gut strapaziert. Das beeindruckende Gipfelkreuz erreichten wir über Blockgestein am Grat, aber eine fantastische Aussicht auf Weißkugel, Ortler und Königsspitze ließ die Mühen des Aufstiegs schnell vergessen. Zurück ging es dann in umgekehrter Richtung und es blieb uns auch genügend Zeit für eine längere Rast und ausgiebiges Sonnenbaden. An „unserer Alm“ wieder angekommen, erwartete uns dann die von mehreren Teilnehmern/innen gewünschte und sehnlichst erwartete Buchweizentorte (mmmjammm!).
Aufstieg 1100 m, Abstieg 1090 m, 8,3 km

Nach bewährt gutem Frühstück inkl. Frühstücksei (Sonntag!) stiegen wir auf dem kurzen Touristenpfad zum Glieshof ab. Die Berge waren heute zunächst im Nebel versteckt. Steil ging es über den Almweg aufwärts zur Upialm (2225 m) und weiter hinauf zum Upisee (2552 m). Vermeintliche Steinschlaggeräusche ließen einige aufhorchen – war da etwas passiert? Eine Teilnehmerin hatte aus dem Augenwinkel auch etwas Geflecktes fallen sehen?!? Nach der Umrundung des in allen Blautönen spiegelnden Sees wanderten wir auf dem Wilderersteig entlang – und wurden auf eine gefleckte Kuh aufmerksam. An beiden Hinterbeinen und am Rücken waren Schürfwunden und Blutspuren zu erkennen und sie stapfte sehr zögerlich den Berg hinunter – dies war wohl der „Steinschlag“, den wir gehört hatten. Aber beruhigend zu sehen: sie fraß trotz allem. Bis zum Abzweig zur Remsspitze, ca. 2600 m, war es ein ständiges Auf und Ab, bis wir dann endgültig die Upialm wieder erreichten und dort den Almwirt über die verletzte Kuh informieren konnten. Weiter unserem Aufstiegsweg folgend kehrten wir schließlich zum Glieshof zurück und wählten für den Rückweg auf „unsere Alm“ den Vinschger Höhenweg. Dieser führt sehr schön durch den Wald mit Blick auf den Saldurbach. An unserem Quartier angekommen, ging dann ein kurzer Regenschauer nieder – als wir bereits gemütlich unter den Sonnenschirmen uns den Kuchen, vorzugsweise Buchweizentorte, schmecken ließen. Am Abend und in der Nacht zogen Gewitter über das Tal.
Aufstieg 1040 m, Abstieg 1070 m, 15,9 km

Heute hieß es Abschied nehmen von der Matscher Alm und Gisela und Fridolin, die uns sehr gut bewirtet hatten – und uns sogar das Rezept für die Buchweizentorte mit auf den Weg gaben. Wir stiegen wieder den Touristenpfad hinab zu unseren Autos und schnürten unterwegs bei Reschen (1551 m) dann noch ein letztes Mal die Wanderstiefel für eine kurze Besichtigung: ohne Gepäck stiegen wir hinauf zum Plamort (2083 m). Die Panzersperre und die Bunker aus dem ersten Weltkrieg ließen uns nachdenklich werden und wir waren glücklich zu einer anderen Zeit geboren zu sein. Ohne Coronakontrollen an den Grenzen hatten wir dann eine entspannte und gute Heimfahrt.
Auf- und Abstieg 530 m, 10,7 km
 
Text: Teilnehmer
Bilder: Teilnehmer

Zurück