Hochtouren um die Düsseldorfer Hütte, 15.08. - 19.08.2018

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Auch vor DAV-Fachübungsleitern macht das Pech manchmal keinen Halt - so hatte es dieses Mal unseren Klaus erwischt, der krankheitsbedingt leider nicht die Führung unserer „Hochtouren um die Düsseldorfer Hütte“ übernehmen konnte. Allerdings wurde er würdig durch Ingo Pfäffle vertreten und wir Teilnehmer hatten das Vergnügen unsere Touren mit ihm und Bettina Grözinger als Leiterteam zu verbringen.
 
Startpunkt war Sulden am Ortler, von hier schwebten wir mit dem Lift zur Kanzel hinauf (2359 m), von der es auf einfachem Weg mit wunderschönen Brücken durch die Steinfelder gemütlich in 1,5h hinauf zur Düsseldorfer Hütte (2721m) ging.  Sie sollte für die  nächsten Tage unser Standquartier sein. Die Hüttenwirte verwöhnten uns mit einem erstklassigem Abendmenü, und dies sollte auch für die folgenden Abende so bleiben.
 
Am Donnerstagmorgen um 7:30 Uhr starteten wir dann zu unserer Tour auf den großen Angelus (3521 m). Hier wurden uns wieder einmal die Folgen des Klimawandels bewusst, als am gegenüberliegenden Hang ein dunkles Grollen das Tal erfüllte und große Felsbrocken oberhalb des kleinen Gletscherrestes der Vertainspitze abbrachen und donnernd über den Gletscher ins Tal rollten. Wir waren zum Glück nicht einmal ansatzweise im steinschlaggefährdeten Gebiet, jedoch flößt einem so etwas doch immer wieder Respekt ein. Nach circa 1,5h „Zustieg“ begann die Kraxelei zum hohen Angelus und wir befanden uns in leichtem Klettergelände aus großem Geröll und festem Fels und bahnten uns auf dem Grat den Weg zum Gipfel. Im oberen Viertel wurde es ein wenig ausgesetzter und luftiger, jedoch wurden wir durch eine tollen Blick zum Laaser-Gletscher belohnt. Am Gipfel war die Aussicht noch herrlich und wir konnten unser verdientes Vesper genießen. Kurz darauf machten sich dann auch schon am Horizont Anzeichen für einen Wetterumschwung breit. Der Abstieg machte und wider Erwarten genau soviel Spaß wie der Aufstieg - es handelte sich um wirklich schöne Kraxelei mit ständiger toller Panoramasicht auf Ortler, Cevedale und Königsspitze. Nachdem ein Großteil des Abstiegs geschafft war, kam sogar die Sonne wieder heraus (das schlechte Wetter hatte sich wohl in eine andere Richtung verzogen) und wir konnten die Sonnenstrahlen an einem kleinen Gletschersee genießen. Auch von unserem Standquartier aus genossen wir noch das tolle Panorama mit den „Drei Großen“ bei einem Radler.
 
Am Freitag stand der Klettersteig zur Tschengelser Hochwand (Südwand Klettersteig, Kategorie C-D, 375hm, bis auf 3375m) auf dem Programm. Das Wetter sollte - wie auch schon am Vortag - instabil sein, so dass wir so früh wie möglich starten wollten; jedoch mussten wir nach dem frühen Frühstück noch eine gute Stunde auf der Hütte ausharren, da der Regen sich noch nicht verzogen hatte und der Fels für unsere Kletterei noch abtrocknen sollte. Der Aufstieg führte uns durch eine Gletschermoräne, die aussah, als hätte man mit der Pistenraupe eine Halfpipe geformt. Vor dem Einstieg schnauften alle noch einmal tief durch, denn der neue untere Teil enthielt einige D-Stellen, vor denen einige von uns ziemlichen Respekt hatten. Zwar waren die die D-Stellen knackig, aber wir wurden mit tollem Fels, schöner Kletterei, super Aussicht und bestem Wetter belohnt. Der obere Teil des Klettersteigs war dann nicht mehr vollständig versichert und wir spielten das bekannte Spiel „wie hüpfe ich am Besten von Fels zu Fels“ das wir schon am Vortag am hohen Angelus geübt hatten. Auch dieser Gipfel bot wieder die Gelegenheit für ein Vesper mit Traumaussicht. Der Abstieg durchs Geröllfeld war unspektakulär, aber wegen des hohen Steinschlagrisikos schlitterten wir so nah wie möglich aneinander - als „Polonaise“ - hinunter. Das Gelände sah hier so aus als hätte jemand einfach eine große Schubkarre Geröll ausgekippt.
 
Am Samstag stand nur noch die Tour zum „hinteren Schöneck“ (3128 m) auf dem Programm, das Wetter war leider sehr instabil, sodass die lange Tour zur Vertainspitze nicht machbar gewesen wäre. Daher entschieden wir  am Vorabend, nach der kleinen Tour auch direkt den Heimweg nach Stuttgart anzutreten. Wegen der Kürze der Tour starteten wir an diesem Tag etwas später und konnten nach 1,5 Stunden ausgesetzten Wanderns und Kraxelns über Grasnarben, Fels und kürzere versicherte Stellen den Gipfel des Hinteren Schönecks „Unser“ nennen. Auch hier war der Wettergott gnädig mit uns, denn trotz der vielen Wolken wurden wir mit einer guten Fernsicht belohnt und konnten das letzte Mal die Aussicht auf König Ortler genießen. Nach dem Abstieg packten wir unser Restgepäck, dass wir auf der Düsseldorfer Hütte deponiert hatten und traten in sehr zügigem Tempo den Abstieg zur Seilbahnstation an. Doch trotz aller Eile verpassten wir die Bahn um 2 Minuten, denn in Sulden am Ortler haben die Seilbahnen eben Mittagspause und die beginnt um 12:20 Uhr auch wenn Bergsteiger um 12:22 Uhr noch angehetzt kommen ;-) Das war dann mal wieder Glück im Unglück, denn so kamen wir noch in den Genuss von Kaiserschmarren und Speckknödelsuppe, da auch die Bergstation des Kanzellifts über eine gute Küche verfügt - und das Panorama gabs - wie immer auf dieser Tour - oben drauf!
 
Text: Corinna Berkmann
Bilder: Marco Zoll

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