Kesch-Trek – Wunderschöne Schweizer Bergwelt und Bahnträume, 13.08. - 17.08.2026
von Wolfgang Reinhart
Tag 1: Anreise zum Flüelapass und Zustieg zur Grialetsch Hütte
Leicht verschlafen, aber guter Dinge treffen sich die zwölf Wanderlustigen schon um 6.00 Uhr am Gleis 5 des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Wie in den letzten Jahren fahren wir gemeinsam mit dem Zug in die Berge – dieses Mal in die Schweiz. Unser heutiges Ziel ist es, den Flüelapass mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.
Die Deutsche Bahn ist ja immer ein Garant für Überraschungen. Wenn wir allerdings die Schweizer Grenze ohne Verspätung erreicht haben, ist die größte Challenge des Tages schon geschafft. Bei Sonnenaufgang fahren wir aus Stuttgart hinaus und gegen neun Uhr am Rheinfall vorbei. Alles läuft bestens.
Die letzten Zugkilometer nach Davos sind schon ein kleiner Bahntraum – dieser wird auf der Heimreise allerdings noch getoppt werden. Dann geht es noch mit dem Bus von Davos zum Flüelapass und endlich, um 13.30 Uhr, haben wir richtig Felsen unter unseren Bergstiefeln.
Der Flüelapass liegt bereits auf 2.383 Metern. Jetzt geht es erst einmal hinab zum schönen Grialetschbach, der von den Gletschern gespeist wird und tosend ins Tal hinunterfließt. Von dort führt der Weg entlang des Baches mit gleichmäßiger Steigung hinauf zur auf 2.542 Metern gelegenen Grialetschhütte. Alle müssen etwas schnaufen – an die Höhe sind wir
einfach noch nicht gewöhnt.
Die Hütte liegt wunderschön mit Blick auf den Piz Grialetsch und seine vergletscherte Nordflanke. Zwei Seen, von denen einer als Badesee genutzt werden darf, sind zu Fuß erreichbar. Einige nutzen diese Gelegenheit gleich und springen in das erfrischende Nass.
Tag 2 : Besteigung des Schwarzhorn
Am nächsten Tag haben wir es leicht, denn mit leichtem Gepäck geht es zum Schwarzhorn. Wir werden noch eine zweite Nacht auf der Grialetschhütte verbringen. Das hiesige Schwarzhorn – es gibt ja so viele – ist mit 3.146 Metern ein leichter Dreitausender, von dem aus man eine gigantische Aussicht haben soll. Zwölf Kilometer und etwa 850 Höhenmeter trennen uns noch davon.
Über blockiges Gelände geht es bis zum Pass namens Fuorcla Radönt auf 2.786 Metern. Von dort aus sieht man wunderbar das Schwarzhorn. Auch andere Bergkameraden und Betgkammeradinnen kommen hier direkt vom Flüelapass herauf und wollen das Schwarzhorn erklimmen. Auf dem Gipfel sind wir somit nicht alleine.
Alle genießen die Aussicht auf die Dolomiten, Ortler, Adamello, Piz Bernina, Piz Kesch bis hin zur Dufourspitze. Also fantastisch!
Zurück geht es wieder den gleichen Weg. Ein erfrischendes Bad im Hüttensee, ein leckeres Essen und eine lustige Spielrunde machen den Tag schlussendlich zum perfekten Bergtag.
Tag 3: Über den Scalettapass zur Kesch-Hütte
Am dritten Tag heißt es weiterziehen. Nun heißt es auch wieder, den schweren Rucksack aufzuziehen, denn heute wollen wir unterhalb des Piz Kesch in der Keschhütte übernachten.
Wir wandern zuerst hinauf zum Scalettapass. Der Pass war früher eine wichtige Säumerverbindung. Jenseits des Passes führt der Weg oberhalb des Val Funtauna durch eine einsame, weitgehend unberührte Hochgebirgslandschaft.
Die badelustige Fraktion unserer Wandergruppe macht noch einen kurzen Abstecher zu den beiden Bergseen La Ravais-ch Sout und Lai da Ravaisch. Der Rest zieht direkt weiter zur schon in der Ferne sichtbaren Keschhütte.
Das Wetter wird auch ungemütlicher und leider werden wir am Ende auch noch von oben etwas nass. Die Keschhütte ist etwas größer und vielleicht auch etwas unpersönlicher. Der Hüttenwirt Martin und seine Partnerin Olivia gleichen dies durch ihre unheimlich freundliche und sympathische Art aber sofort aus.
Auch am Abend teilen sie uns freundlich die schlechte Nachricht mit: Am nächsten Tag soll das Wetter umschlagen. Ab 15.30 Uhr sind längere Gewitter angekündigt, und bereits am Vormittag kann es einzelne Gewitter geben.
Gewitter ist nie gut. Und wir werden morgen unseren höchsten Punkt, die Fuorcla Pischa auf 2.867 Metern, erst am Ende der Tour erreichen. Das ist auch nicht gut.
So beschließen wir, morgens früh aufzustehen und damit die Gewittergefahr zu minimieren.
Tag 4: Über Fuorda Pischa zur Es-cha-Hütte
Am nächsten Morgen gibt es bereits um 5 Uhr Frühstück und um 5.30 Uhr wandern wir im Licht der Stirnlampen zur Alp digl Chant 500 Höhenmeter hinunter. Von dort führt der Weg durch das Val Plazbi zur Alp Plazbi.
Anschließend beginnt der Aufstieg zur Fuorcla Pischa auf rund 2.865 Metern, dem höchsten Punkt des Kesch-Treks. Um 10 Uhr morgens erreichen wir den Fuorcla Pischa und haben schon 1.000 Höhenmeter in den Knochen. Alle sind stolz und glücklich, dass wir den höchsten Punkt schon erreicht haben.
Über uns hängen zwar einige dunkle Wolken, aber gewittern tut es nicht. Von hier öffnet sich der Blick weit über das Engadin bis hin zum Berninamassiv. Wunderschön!
Jetzt können wir auch eine längere Pause machen. Etwas weiter unten finden wir einen schönen Pausenplatz inmitten einer unglaublichen Vielzahl von Steinmännchen, Steinskulpturen und vielleicht auch schon Steinkunstwerken.
Der Stress ist nun vorbei. Locker schlendern wir schon fast zur Es-chaHütte. Sie ist urgemütlich und wir genießen dort die Aussicht, das leckere Essen und den ganz, ganz langen Nachmittag – ohne Gewitter.
Erst abends rumpelt es um uns herum, und das macht uns nichts. Uno wird gezockt und zum Schluss werden die Gehirnzellen bei Stadt, Land, Fluss noch einmal ordentlich trainiert.
Tag 5: Von der Es-cha-Hütte zum Albulapass und Rückfahrt
Der letzte Tag beginnt mit einem kurzen Abstieg zum Albulapass. Dort kommt natürlich pünktlich der Bus und bringt uns zum Bahnhof nach Preda.
Der einfahrende Zug beziehungsweise die nun folgende Zugstrecke ist eine echte Überraschung: Die Rhätische Bahn fährt uns spektakulär hinab. Die Strecke führt von Preda über Bergün, Filisur, Tiefencastel und Thusis nach Chur.
Besonders spektakulär ist der Abschnitt zwischen Preda und Filisur mit den zahlreichen Kehrtunneln, Viadukten und dem Landwasserviadukt. Alle haben wie Kinder ein Strahlen im Gesicht. Ein richtiger Eisenbahntraum!
Auch die weitere Heimreise mit dem Zug klappt reibungslos. So drücken und verabschieden wir uns um 17.30 Uhr am Stuttgarter Hauptbahnhof.
Mit schönen Bergerlebnissen und vielleicht auch neuen Bergfreunden geht jeder nach Hause. Und vielleicht sehen wir uns nächstes Jahr wieder.
Leitung: Katja Siegmann und Monika Artinger
Text: Katja Siegmann
Bilder: Teilnehmende



