Schneeschuhtouren im Gsieser Tal, 09.03. - 13.03.2017

„Gsiesertal, wo ist das denn?“, so waren doch einige Reaktionen auf die Frage, wohin es dieses Jahr zum Schneeschuhwandern geht. Selbst Bekannte, die oft in Südtirol unterwegs sind, kannten dieses kleine Tal nicht. „Also, Du fährst über die Brennerautobahn nach Bruneck, dann immer gerade aus in Richtung Innichen, am Antholzertal vorbei und biegst in Welsberg links ab. Dann bist Du schon im Gsiesertal.“
Anfang März war es dann soweit. Nach dem obligatorischen Treff in Kirchheim-Ost ging es in vier Fahrzeugen in Richtung Berge. Eine erste kleine Ernüchterung stellte sich bei der Ankunft ein, denn von der versprochenen „knirschenden Winterromantik“ war zunächst wenig zu sehen. Grüne Hänge am Kronplatz, eher frühlingshafte Temperaturen und Regen ließen es fraglich erscheinen, ob die Bedingungen zum Schneeschuhwandern überhaupt gegeben waren.
Gleich nach der Zimmerverteilung im Leitenhof in Gsies machten wir einen ersten kleinen Spaziergang zur Kaser Alm (2.079m). Und oh Wunder: Aus dem anfänglichen Regen wurde nach und nach Schnee, so dass schon auf dem Rückweg zur Unterkunft eine leichte Schneedecke die Landschaft einhüllte.
Der nächste Morgen machte Lust auf mehr, den Frau Holle war über Nacht nicht faul und hatte eine wunderbare Schneelandschaft mit ca. 40cm Neuschnee gezaubert. Auch wenn das toll anzuschauen war – Lawinenwarnstufe 4 machte die Tourenauswahl nicht einfach. Ingo wählte die sichere Variante und führte uns auf den Lutterkopf (2.145m) und den Durrakopf (2.275m). Im frisch verschneiten und unverspurten Gelände zogen wir unsere Bahnen entlang eines Forstweges, später an einem Grat und dann auf offener Fläche hoch zu den beiden Gipfeln. Nachdem wir den romantisch verschneiten Wald passiert hatten, erwarteten uns ein strahlend blauer Himmel und ein sehr frischer Wind sowie eine phantastische Aussicht auf die Dolomiten. In der Taistner Alm kehrten wir ein und genossen die tollen Südtiroler Süßspeisen wie Buchteln oder Buchweizenroulade. An den Fahrzeugen angekommen, hatten wir rund 12 Kilometer und etwa 720Hm in den Beinen. In der Sauna oder im Schwimmbad und anschließend bei einem Viergängemenü klang der erste richtige Tourentag aus.
Da sich die Lawinenlage nicht verbesserte, wählten Ingo und Elke als zweites Tourenziel wiederum die sichere Variante. Da wir am Vortrag auf dem Durrakopf einen sehr netten und ortskundigen Skitourengeher getroffen hatten, beherzigten wir seinen Rat und machten uns auf in Richtung Dolomiten. Mit dem Auto ging es in Richtung Pragser Wildsee zum Brückele. Von dort zogen wir, zunächst auf dem Winterwanderweg, später dann etwas abseits des Trubels, unsere Spuren hoch zur Plätzwiese und von dort hoch auf den Strudelkopf. Auch wenn die gesamte Tour nicht ganz so ruhig und einsam war wie am Vortag – gelohnt hat es sich! Vis a vis zu den bekannten Drei Zinnen standen wir oben auf dem Strudelkopf und konnten und gar nicht sattsehen an den typischen Felsstrukturen der Dolomiten. Sonne satt, wenig Wind und blauer Himmel begleiteten uns den ganzen Tag. 18 Kilometer Wegstrecke und insgesamt etwa 850 Höhenmeter taten ihr Übriges für eine gesunde Gesichtsfarbe, einen guten Appetit und eine Ausrede, früh das Bett aufzusuchen.
Kurz und knackig -  so könnte man den dritten Tourentag beschreiben. Über das Kalksteinjöchl ging es auf die Gailspitze (2.494m). Die gesamte Tour hatte zwar nur 10,6 Kilometer Länge, aber immerhin fast 1.000 Höhenmeter im Aufstieg. Über Forstwege und Wiesen ging es in schon etwas verstärkt verspurtem Gelände hoch auf die Gailspitze. Der Grat zur Spitze war schon gut abgeblasen, den Schlussanstieg auf den Gipfel mussten wir jedoch sicherheitshalber einzeln begehen. Immer wieder schauten in der Ferne einzelne Spitzen und Türmchen der Dolomiten heraus, auch die Drei Zinnen zeigten sich nochmals in ihrer vollen Pracht. Tolle Tour – und das Wetter (wie langweilig) hat mit Sonne, blauem Himmel und angenehmen Temperaturen wieder mitgespielt.
Bevor es am letzten Tag wieder in Richtung Stuttgart ging, haben wir noch eine kleine Sprintwertung eingebaut. Hoch auf das Gsieser Törl: 11 Kilometer, 730 Höhenmeter, 4,5 Stunden, so die harten Fakten zur Tour. Nochmals wurden wir in einen nahezu unberührten und sehr ruhigen Teil des Gsiesertals geführt.
Gegen Mittag machten wir uns dann wieder auf den Rückweg in Richtung Deutschland – und wie immer vergingen die Tage in den Bergen viel zu schnell. Vielen Dank an Elke und Ingo für die tolle Organisation der Touren und die Führung auch bei widrigen Umständen. Für das Wetter waren – wie immer – die Teilnehmer zuständig. Da hat ja alles gepasst!

 

Text: Stefan Eckl
Bilder: Stefan Eckl

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