Schneeschuhtouren im Wipp- und Gschnitztal, 26.02. - 02.03.2026

von Wolfgang Reinhart

Auf der Schwäbischen Alb kämpft sich am frühen Donnerstagmorgen die Sonne langsam durch die Nebelschwaden, als wir auf dem Weg ins Gschnitztal Ulm passieren. Mit jedem Kilometer Richtung Alpen wird es sonniger und die ersten schneebedeckten Berge begrüßen uns unter blauem Himmel aus der Ferne. Fünf Schneeschuhtage liegen vor uns.
Mit unseren Tourleitern Ingo und Elke fahren wir zunächst nach Schmirn (1407m) zu einer Aufwärmtour Richtung Hoher Napf (2148m). Bei milden Temperaturen geht es zügig aufwärts, die Handschuhe und Mützen werden schnell in den Rucksack verbannt, die Ärmel hochgekrempelt. Auf den letzten Metern wird der Schnee dann so weich, dass wir trotz der Schneeschuhe fast bei jedem Schritt bis zum Knie einbrechen. Wir entscheiden uns daher, nicht bis zum Gipfel aufzusteigen und genießen in der Sonne unser Vesper, bevor es zurück ins Tal und dann zu unserem Standortquartier, dem Alpengasthof Hohe Burg in Trins, geht.
Hier werden wir jeden Morgen mit einem traumhaften Frühstück und Marschtee versorgt. Dabei gab es am ersten Tag gleich großes Gelächter, da in manchen Ohren als Teesorte "Abführtee" anstatt "Apfeltee" ankam. Am Nachmittag wartet eine gut vorgeheizte Sauna auf unsere müden Glieder und die Energiespeicher werden mit einem tollen Abendessen aufgefüllt.
Die Plusgrade tagsüber haben schon viel Schnee auf den Südhängen der Region schmelzen lassen. Dazu kommt die zu diesem Zeitpunkt hohe Lawinenwarnstufe, die eine besonders gründliche Tourenplanung und Bewertung vor Ort erfordert. Trotz dieser schwierigen Bedingungen hat Ingo für die nächsten Tage ein paar tolle Touren parat.
So geht es am Freitag direkt vom Gasthof aus los, auf den 2241m hohen Blaser. Die ersten Höhenmeter müssen die Schneeschuhe noch am Rucksack bleiben, doch dann kann es losgehen. Erneut bei strahlendem Sonnenschein steigen wir zunächst im Wald, später dann über noch dick schneebedeckte Almwiesen zum Blaser auf. Dort erwartet uns eine weite Sicht auf die weißen Gipfel der umliegenden Berge und bis hinunter nach Innsbruck. Die Sonne und der Wind haben hier oben kräftig an der Schneedecke genagt, so dass an einigen Stellen bereits die Grasnarbe zum Vorschein kommt. Beim Abstieg machen sich die milden Tagestemperaturen bemerkbar, die Harschschicht ist weich und der Schnee an vielen Stellen sulzig und schwer geworden.
Für den nächsten Tag ist eine Rundtour im benachbarten Obernbergtal geplant. Vom Parkplatz am Talende soll es über den Oberberger See zum Hohen Lorenzen und dann weiter über den Rücken zur Allerleigrubenspitze gehen. Das Frühstück wird auf 7 Uhr angesetzt, um noch den festen Schnee in den Morgenstunden für den Aufstieg zu nutzen. Vom Oberberger See aus geht es mit Schneeschuhen durch den Wald bergauf und über verschneite Almwiesen Richtung Lorenzen. Hier sind an den Westhängen bereits kleinere Lawinen abgegangen, so dass Ingo entscheidet, nicht zum Lorenzen aufzusteigen, sondern auf der anderen Talseite zum Grubenkopf zu wandern. Zunächst zwischen niedrigen Kiefernbüschen, dann über freie Schneeflächen geht es in Serpentinen aufwärts. Vom Grubenjoch sind es dann auf der Grenze zu Italien nur noch wenige Höhenmeter auf den Grubenkopf (2337m), mit toller Aussicht bis zu den Dolomiten im Süd-Osten. Ein kräftiger Wind pfeift uns hier oben um die Ohren, so dass wir für die wohlverdiente Pause ein paar Meter absteigen. Auf dem Rückweg geht es, oft in direkter Linie, mit viel Spaß durch tiefen Schnee bergab. Nach gut 6,5 Stunden und rund 900 Höhenmetern im Auf- und Abstieg auf Schneeschuhen sind wir zurück im Tal am Parkplatz und freuen uns auf Entspannung in der Sauna.
Der Sonntag startet wieder mit bestem Wetter und der 2105m hohe Sattelberg oberhalb des Brennerpasses ist für heute unser Ziel. Vom Parkplatz Sattelberg Alm in Gries unterhalb der Brennerautobahn geht es über eine ehemalige Skipiste gut eine Stunde aufwärts zur Sattelbergalm. Nach einer kurzen Pause werden die Steighilfen an den Schneeschuhen ausgeklappt und es geht direkt weiter steil bergauf Richtung Gipfel. Es ist richtig viel Betrieb am Berg, zahlreiche Skibergsteiger und Schneeschuhwanderer sind bei diesem tollen Wetter unterwegs. In gleichmäßigem Tempo steigen wir zum Sattelberg-Gipfel auf. Auch heute ist es wieder ordentlich windig auf dem Gipfel und schnell werden die Jacken übergezogen. Für eine längere Pause ist es einfach zu ungemütlich, so dass wir bald wieder zur Alm absteigen und dort einkehren. Für lecker Speis und Trank ist hier gesorgt und wir genießen die warmen Sonnenstrahlen vor dem Haus. Nach der Pause steigen wir dann wieder auf gleichem Weg zum Parkplatz ab.
Passend zu unserem Abschied aus dem Gschnitztal hüllt sich die Sonne am Montag in Wolken und Hochnebel. Dies hält uns jedoch nicht davon ab, eine weitere kleine Tour vor der Rückfahrt zu unternehmen. Von der kleinen Siedlung Padaun auf 1600m geht es auf den Padauner Berg (2230m). Der Nordhang hier hat trotz der milden Temperaturen noch eine gute Schneedecke, so dass es nochmals viel Freude macht die Schneeschuhe anzuziehen. Auf verschlungener Route geht es zwischen Bäumen und Büschen im Schnee bergan. Nach einigen Höhenmetern lichtet sich der Wald und nur noch vereinzelte, mit feinem Raureif überzogene Lärchen, stehen entlang unseres Weges. Vom Padauner Berg geht der Blick hinunter zum Brennerpass, die umliegenden Gipfel sind in Wolken und Nebel gehüllt.
Nach fünf erfüllten Tagen machen wir uns dann auf die Heimfahrt und danken Elke und Ingo für eine perfekte Organisation, tolle Schneeschuhtouren und viele schöne Momente. Bis zum nächsten Mal...
 
Text: Florian Bengs
Bilder: Teilnehmende